Uranabbau in Tansania soll im Eiltempo vorangetrieben werden – Rundbrief von uranium-network.org

Die Risiken für Gesundheit und Umwelt, die beim Abbau von Uran bestehen, sind gravierend und bedürfen einer besonders gründlichen Prüfung und Offenlegung. Die Bevölkerung an den möglichen Abbaustandorten muss umfassend in die Entscheidung einbezogen sein. Die Bergbauindustrie konzentriert sich jedoch auf die armen Länder, wo weniger Widerstand von Politik und Bevölkerung zu erwarten ist. Nachdem jetzt in Tansania Uranvorkommen an 20 Orten offiziell bestätigt wurden, will die Regierung den Abbau im Eiltempo durchsetzen. Wir drucken zu diesem Thema den aktuellen Rundbrief von uranium-network.org ab, der uns gerade zugeschickt wurde.

„Liebe Tansaniafreunde!

Leider ist nun ziemlich viel Zeit vergangen, seit ich Ihnen das letzte mal geschrieben habe! Das steht ganz im Gegensatz zur rasanten Entwicklung beim Thema Uranexploration und -bergbau in Tansania, aber die Zeit ist eben immer zu knapp und die Kapazitäten beschränkt…; Entschuldigen Sie bitte, daß ich nicht alle persönlich anschreiben kann! Hiermit einfach einfach als Lebenszeichen ein Rundbrief und der Stand der Dinge in Kürze.

Einige von Ihnen konnten Anthony ja im Mai kennenlernen, als er im Rahmen der vom Urannetzwerk (www.uranium-network.org)  organisierten Informationstour in Deutschland war – beispielsweise auch auf dem Kirchentag in Bremen. Die Deutschlandreise war für die Arbeit in Tansania ein großer Erfolg, insbesondere konnten wir bestehende Kontakte festigen und neue aufbauen.

Filmvorführung in Makanda

Filmvorführung in Makanda

In Tansania hat das Thema Uranabbau erhebliche Brisanz erhalten, seit der Minister für Energie und Bergbau William Ngeleja während der Haushaltsverhandlungen Mitte Juli im Parlament in Dodoma die tatsächlichen Pläne und Vorstellungen der Regierung vorgestellt hat (unsere Partner hatten mir immer direkt berichtet, Einzelheiten sind aber beispielsweise auch in The Guardian vom 20.7. (unter www.ippmedia.com) zu finden). Nun wurde offiziell bestätigt, was wir schon die ganze Zeit befürchtet hatten:  die Explorationsfirmen haben an 20 Orten in verschiedenen Regionen Tansanias Uranvorkommen entdeckt. Uran, das der Minister als „ the world’s much talked about alternative energy source“  bezeichnete, soll ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor in Tansania werden. Der Abbau solle ab 2012 in Südtansania (Mkuju River) und in Bahi und Manyoni im Zentrum des Landes beginnen.  Die Firmen selbst, die schon detaillierte Planungen vorgelegt haben,  gehen teilweise sogar von einem noch früheren Abbaubeginn aus. Wie bei diesem Rekordtempo Auswirkungen auf die Umwelt und die Lebensbedingungen der Anwohner ausreichend geprüft werden können, ist kaum vorstellbar. In andern Ländern wie Kanada oder Australien – von bundesdeutschen Standards ganz abzusehen – gehen derartigen Projekten jahrelange Genehmigungsverfahren voran.

Entsetzte Frauen

Infoveranstaltung zu den Gefahren des Uranabbaus

Minister Ngeleja kündigte an, daß ein Komitee, dem neben Vertretern verschiedener Ministerien und Behörden auch Vertreter der Bergbaufirmen angehören sollen, sich um die mit dem Uranbergbau verbundenen Belange kümmern soll: das Parlament soll schon im Oktober ein Gesetz zur Regelung des Uranbergbaus verabschieden. Kernkraft soll als Option zur Energieversorgung des Landes verfolgt werden. Der noch amtierende IAEO Vorsitzende el Baradei empfahl bei einem Besuch in Tansania (siehe: The Guardian vom 6.8.), die ostafrikanischen Länder sollten diese Option vor dem Hintergrund des riesigen Finanzbedarfs gemeinsam verfolgen. Immerhin gibt es auch aus dem  Parlament kritische Stimmen zu neuen Großprojekten im Bergbau.

Gleichzeitig gerät der Goldbergbau immer mehr in die Schlagzeilen, nachdem eklatante Umweltskandale für Aufsehen gesorgt hatten: beispielsweise hatte es in der Nähe der North Mara Mine von Barrick Tote gegeben, nachdem giftige Flüssigkeiten in den Fluß gelangt waren. Verschiedene Menschenrechtsorganisationen (u.a. LEAT – Lawyers Environmental Action Team) und der Christian Council Tanzania (CCT) forderten einen Abbaustopp, bis eine unabhängige Komission, die Vorfälle aufgeklärt habe. Die Bevölkerung spürt immer mehr, daß weder die Anwohner noch das Land als ganzes angemessen vom industriellen  Bergbau profitieren.

Konferenz in Bahi

Teilnehmer an einer Konferenz in dem Räumen der katholischen Mission in Bahi

FEMAPO und CESOPE, die NGOs der Partner vor Ort, haben mittlerweile im Rahmen der von Stiftung Umverteilen, Berlin, finanzierten Informationskampagne die wesentlichen potentiell vom Uranbergbau betroffenen Dörfer und Städte in Zentraltansania besucht. Überall lehnen die Menschen den Uranbergbau vehement ab. Gleichzeitig wachen die Menschen politisch auf und wollen sich aktiv ihre Rechte und die Zukunft ihrer Dörfer einsetzen.

Bei den Besuchen wurde deutlich, daß der Uranbergbau an vielen Orten wertvolle ökologische Ressourcen direkt bedrohen würde:  beispielsweise wurde in Handa in einem Quellgebiet exploriert, so daß wertvolle Wasservorräte durch den Bergbau gefährdet bzw. zerstört würden. In Bahi findet Reisanbau von überregionaler Bedeutung statt. Besonders schockierend war für die Partner die Situation um die westlich von Dodoma gelegene Provinzstadt Manyoni:  wesentlicher Wirtschaftsfaktor ist dort die Gewinnung von Kochsalz. Die Landschaft ist von einer baumlosen Ebene, in der kräftiger Wind den Staub aufwirbelt, geprägt. Die geplante Uranmine würde entgegen der Windrichtung eingerichtet werden, so daß kontaminierter Staub die ganze Gegend bedrohen würde.

Immer wieder stellt sich heraus, daß die in Tansania eigentlich gesetzlich festgeschriebene Beteiligung der Bevölkerung nicht stattfindet. Zumindest für den Teil des Landes, der unter der Verwaltung der Dörfer steht, ist nach dem  Village Land Act von 2002 die Zustimmung der betroffenen Bevölkerung einzuholen, bevor das Land einer andern Nutzung zugeführt wird. Dabei stellt das Gesetz detaillierte Anforderungen an die Beteiligung der Menschen.

Gerade in Manyoni gibt es eine Schicht von relativ wohlhabenden und gut gebildeten Geschäftsleuten, die den Uranbergbau ablehnen und auch das Potential haben, eine Klage vor Gericht voranzutreiben.

In Manyoni hat sich eine gute Zusammenarbeit mit der anglikanischen Kirche entwickelt, die auch ihre Veranstaltungsräume zur Verfügung stellte. Auch der katholische Bischof von Dodoma hat sich in einem Empfehlungsschreiben für FEMAPO/CESOPE eingesetzt.

Der Regierung wird der von FEMAPO ausgehende Widerstand gegen ihre Vorhaben zunehmend lästig. Als Gegenmaßnahme wurde nun eine intensive Kampagne gestartet, die die Leute für den Uranbergbau gewinnen soll. Erfreulicherweise haben Leute vor Ort aber mittlerweile so viel Selbstvertrauen und Wissen entwickelt, daß sie wagen, kritische Fragen zu stellen. In Bahi brachte das Publikum den stellvertretenden Bergbauminister so ernsthaft in Verlegenheit: nachdem er betont hatte, wie harmlos Uranbergbau sei, bat ihn das Publikum, dies mit Beispielen aus Ländern, in denen bereits Uran abgebaut wird, zu belegen.   Darauf wusste der Beamte offensichtlich keine Antwort. Er reagierte ungehalten und die Veranstaltung wurde abgebrochen.

Das Team von Femapo

Das Team von FEMAPO auf der Tour in die Dörfer und zu den Explorationsstandorten in der Nähe von Handa.

Die Partner in Tansania halten es in der aktuellen Situation für sehr wichtig, nun möglichst bald die breite Öffentlichkeit in Tansania mit kritischen Informationen zum Uranbergbau zu erreichen. Insbesondere hoffen wir auch, daß die Regierung vor dem Hintergrund der Ende nächsten Jahres stattfinden Wahlen jetzt noch am ehesten bereit sein dürfte, auf die Bedenken der Menschen zu hören. Daher haben für die kommenden Monate ein Bündel von Aktivitäten geplant, das wir unter den Titel Tanzania Uranium Awareness Conference (TUAC  2009) gestellt haben.

Insbesondere sind geplant:
vorbereitende Informationstour: das FEMAPO/CESOPE Team wird Anfang September gemeinsam mit tansanischen Journalisten, einem Experten der Universität Dar es Salam und einer Umwelttechnik-Studentin aus Stuttgart möglichst viele potentiell vom Uranbergbau betroffenen Orte bereisen. Ziel ist es, verlässliche Informationen über die Situation vor Ort zu sammeln, Kontakte zu aktiven Gruppierungen in andern Teilen des Landes zu knüpfen und öffentliche Aufmerksamkeit für die tatsächlichen Vorgänge in den betroffenen Gegenden zu gewinnen. Danach wird es auch einen detaillierten Bericht mit Bildern usw. geben!

Mit finanzieller Hilfe der Heinrich Böll Stiftung und in Zusammenarbeit mit einem Professor aus Dar es Salam  soll eine Studie erstellt werden, die den aktuellen Stand der Vorbereitungen des Uranbergbaus in Tansania fundiert zusammenfasst und die potentiellen Risiken  beschreibt.

Menschen aus aller Welt wehren sich: Besuch der internationalen Delegation mit Gästen aus Namibia, Niger, Tansania und Nordamerika bei der Bundestagsfraktion von B90/Die Grünen, Mai '09

Besuch der internationalen Delegation mit Gästen aus Namibia, Niger, Tansania und Nordamerika bei der Bundestagsfraktion von B90/Die Grünen, Mai '09

Anfang November werden Konferenzen mit Beteiligung internationaler Experten in Arusha, Bahi und Dar es Salam stattfinden. Dadurch wollen wir die Öffentlichkeit wachrütteln, den betroffenen Gemeinschaften eine Stimme geben und die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft mit unseren Argumenten und der ablehnenden Haltung der betroffenen Bevölkerung konfrontieren. Da nach den Ankündigungen von Minister Ngeleja das Parlament sich ja bereits im Oktober mit der zukünftigen Regelung des Uranbergbau beschäftigen soll, wollen wir die Abgeordneten, von denen einige durchaus eine kritische Haltung zum Bergbau haben, schon im Vorfeld mit Informationen über die Atomwirtschaft versorgen.

Bei der Planung dieser Vorhaben beteiligen sich  neben den aktiven NGOs FEMAPO und CESOPE auch Experten von der Universität Dar es Salam und von LEAT (Lawyers Environmental Action Team), einem Zusammenschluß tansanischer Rechtsanwälte, die sich für Umweltschutz und Menschenrechte einsetzen und schon in mehreren Fällen erfolgreich gegen die Zumutungen internationaler Investoren und für die Rechte der Menschen und den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen gekämpft haben.
Große christliche Hilfswerke in Deutschland haben finanzielle Unterstützung zugesagt bzw. in Aussicht gestellt.

Wir sind uns bewußt, daß die gegenwärtigen Entwicklungen in Tansania nicht unproblematisch sind. Einerseits freuen wir uns, daß die Menschen immer mehr politisch aufwachen und ihre Rechte einfordern. Nur so kann ein demokratisches Staatswesen funktionieren. Andererseits ist ungewiss, wie sich die Regierung mittelfristig verhalten wird und inwiefern sich der enstehende Konflikt zuspitzen wird.

Daher möchte ich sie alle Bitten unsere Aktivitäten und die Menschen in Tansania weiterhin in Gedanken und im Gebet zu begleiten!

Sehr hilfreich wäre es auch, wenn Sie diese Informationen weiterhin auch in ihrem Umfeld verbreiten könnten. Gerade die Zusammenarbeit mit den Kirchen ist uns sehr wichtig. Ich glaube, daß den Kirchen in der gegenwärtigen Entwicklungsphase in Tansania – Uran ist da nur ein Teil davon-  eine bedeutende Rolle als Vermittler und Stabilisator zukommt.

Vielen Dank für Ihr Interesse!

Martin Kurz
für FEMAPO/CESOPE Tansania, uranium.network.org, Deutschland“

Martin Kurz
Friedhofstraße 20
74589 Satteldorf-Ellrichshausen

Tel.: 0171 946 7077
mail: MartinKurz1 (at) gmx (punkt) de

von - 13. Sep. 2009 - Kategorie: Hintergründe, Wirtschaft