Luagala
Ich hatte die Gelegenheit, unsere britische Ärztin bei einem Besuch zweier kleiner Spitäler auf dem Makonde-Plateau, in den Dörfern Luagala und Nanyamba, zu begleiten. Vor ungefähr 40 Jahren wurden die Würzburger Erlöserschwestern von den Benediktinern zur Hilfe gerufen. Nach einer kurzen Einführungszeit hier in Ndanda wurden sie aufs Makonde-Plateau geschickt und gründeten dort zwei Spitäler, eine Haushaltsschule und mehrere Montessori-Kindergärten. Die Spitäler haben beide fünfzig Betten. Ich war fast schockiert, als wir durch die Zimmer geführt wurden. Es ist überall sehr sauber und ordentlich, an jedem Bett hängt eine Patientenkarte mit Fiebereinträgen und Medikamentenverschreibung, alle Patienten haben Decken, alle bekommen Tee zum trinken. Auch hier in Ndanda soll es sauberer sein, als in manchen Regierungsspitälern (ich habe noch keins selber gesehen), aber es ist bei uns viel chaotischer. Die Spitäler in Luagala und Nanyamba sind noch fest in der Hand von Nonnen. Es sind dies wenige alte deutsche Nonnen, die Krankenschwestern sind, und sehr viel zu erzählen haben, und ein paar junge tansanische Nonnen, die gut ausgebildet und sehr herzig sind. Beide Spitäler haben aber keine Ärzte, sie stehen deswegen unter der offiziellen Supervision des St. Benedict’s Hospital in Ndanda. Leider konnten wir nur wenig Patienten sehen, weil im Moment die Menschen wegen der Trockenzeit kaum Geld haben, und die ambulante Behandlung, die einen Franken fünfzig kostet, sich nicht leisten können. Erst wenn die Cashewnüsse geerntet werden, im November, werden die Menschen auf dem Makonde-Plateau wieder etwas Bargeld haben.
Wir haben in Luagala im Kloster übernachtet und sind sehr freundlich bewirtet worden. Sehr interessant war eine Führung durch das Klosterareal voller Blumen (Geranien!!!) und den Bereich, in dem die junge tansanische Klosterjugend erzogen wird. Dort oben, mit der “Zivilisation” nur durch eine Schotterstrasse verbunden, die in der Regenzeit kaum befahrbar ist, sind die Schwestern auf eine gute Hauswirtschaft und Selbstversorgung angewiesen. Dabei haben sich die Schwestern im Laufe der Zeit ein grosses Wissen angeeignet, und die Klosterjugend muss im praktischen Leben kräftig mithelfen. Am meisten beeindruckt hat mich die Kühltruhe voller Würste, und wer mich kennt, kann sich vorstellen, dass ich seitdem über das Selbermachen von Würsten nachdenke…

