Wovon hängt medizinische Qualität ab?

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Ein neugeborenes Baby im Arm seiner Urgrossmutter.

Letzte Woche habe ich eine interessante Studie der Weltbank gelesen, die einige Fragen aufwirft, die uns hier jeden Tag beschäftigen. Die Studie fragt nach der Qualität einer medizinischen Beratung in Ländern niedrigen Einkommens. Untersucht wurden Indien, Indonesien, Tansania und Paraguay.
Eingangs schildern die Autoren ein Fallbeispiel von Tansania. In einer ländlichen Klinik betritt eine Mutter mit einem Kind auf dem Rücken gebunden das Zimmer, in dem der Arzt (ein Assistant Medical Officer mit einer vierjährigen medizinischen Ausbildung) hinter dem Schreibtisch sitzt. Er fragt sie, was ihr Problem ist, und sie sagt ihm, dass ihr Kind hohes Fieber hat. Der Arzt schreibt ihr ein Rezept für ein Antimalariamittel, obwohl er nicht einmal das Kind sehen kann, da es immer noch hinter dem Rücken gebunden ist und die Mutter immer noch vor ihm steht. Die Mutter verlässt den Raum, sie muss weder für die Beratung noch für die Medikamente bezahlen, diese sind für Kinder unter fünf Jahren frei. Eine Krankenschwester, zum Kontroll-Untersuchungsteam der Studie gehörig, befragt die Mutter im Ausgangsbereich und entdeckt, dass das Kind an schwerer Lungenentzündung leidet. In der Klinik gibt es auch Medikamente, diese Krankheit zu behandeln. Der Arzt wäre auch in diesem Krankheitsbild ausgebildet und hat an diesem Tag auch nur 25 Patienten gesehen, war also nicht unter Zeitdruck.
Das Kind wäre gestorben, wenn diese Krankenschwester es nicht gesehen hätte.

In vielen Entwicklungsländern ist der Zugang zu medizinischen Einrichtungen heute erleichtert. Die Studie zeigt auf, dass die Qualität eines medizinischen Rats nicht davon abhängt, ob die kleine Landklinik Strom hat oder fliessend Wasser. Die Qualität ist auch nicht abhängig vom Grad bzw. der Länge der Ausbildung des Arztes. Fünf Jahre mehr medizinische Ausbildung in Tansania erhöhen die Treffsicherheit einer richtigen Diagnose nur um 1 Prozent!!! Der Unterschied zwischen dem, was die Ärzte wissen und dem, wie die Ärzte handeln ist gross. Die Fähigkeiten eines Arztes sind weniger wichtig, als die Frage, ob er sich anstrengt oder nicht. So sind die Ärzte in Tansania in öffentlichen als auch in privaten Spitälern gleich gut ausgebildet, und doch ist die Qualität in den privaten Spitälern, die meistens Missionsspitäler sind, besser, weil sich die Ärzte mehr um die Patienten bemühen.
Es wurde in der Studie übrigens auch kein Zusammenhang zwischen der Kompetenz und dem Lohn gefunden. Ärzte mit einem höherem Lohn sind nicht kompetenter.  In Paraguay konnten die Forscher sogar nachweisen, dass je höher der Lohn ist, die Ärzte umso weniger arbeiten.
Die Studie stellt somit einiges in Frage, was bis anhin als Lösung galt, die Gesundheitssysteme in Entwicklungsländern zu verbessern: bessere Ausbildung, bessere Löhne, besseres Equipment.

The Quality of Medical Advice in Low-Income Countries. Jishnu Das. Jeffrey Hammer. Kenneth Leonard. The World Bank. Development Research Group. Human Development and Public Services Team. January 2008

von - 24. Aug. 2009 - Kategorie: Tagebuch