US-Militär tarnt sich durch zivile Aufbauarbeit

US-Soldat spielt mit Grundschülern in Ruanda Fussball (2005). Die US Air Force hat der Schule Bälle und Spielzeug im Wert von 1000 US-Dollar geschenkt. (U.S. Air Force photo by Senior Airman Mike Meares, http://www.defenselink.mil/home/photoessays/2005-08/p20050801a10.html)

Washington sucht noch immer nach einem Standort für Africom – US-Seeleute streichen Grundschulen an, bessern Türrahmen aus und reparieren Lampen

Bislang hat es die US-Regierung nicht geschafft, einen Standort für ihr regionales militärisches Hauptquartier Africom (African Command) auf afrikanischem Boden zu finden. Selbst treue Verbündete wie Marokko oder Nigeria lehnen es ab, den US-Militärs als Standort zu dienen. Die Weigerung fast aller afrikanischer Staaten mit Ausnahme Liberias dürfte nicht zuletzt auf den wachsenden Einfluß Chinas zurückgehen, das sehr intensive Handelsbeziehungen zu Dutzenden Staaten aufgebaut hat und laufend weiter daran arbeitet, ohne sich in die inneren Angelegenheiten der afrikanischen Länder einzumischen. Zudem ist China kaum militärisch auf dem Ressourcenkontinent Afrika zugegen – sieht man von chinesischen Rüstungsexporten ab. Dank China haben die afrikanischen Staaten eine Alternative zu dem Einfluß des Westens und können es sich leisten, den USA eine Abfuhr zu erteilen.

Im Unterschied zum chinesischen Militär zeigt das US-amerikanische laufend Präsenz: Kriegsschiffe der Mittelmeerflotte kreuzen täglich im Golf von Guinea auf, wo sich einige der größten Erdölfelder Afrikas befinden; zudem bilden die USA Offiziere, Grenztruppen und Soldaten vieler Länder Afrikas aus und/oder versorgen diese mit Waffen; in Dschibuti unterhält das US-Militär sein größtes Truppenlager auf afrikanischem Boden; außerdem haben US-Kriegsschiffe mehrfach in den letzten eineinhalb Jahren Somalia bombardiert.

Obgleich US-Militärs und -Politiker bis hinauf zu Präsident George W. Bush in den letzten zwölf Monaten für Africom geworben haben, blieb der erwünschte Erfolg aus. Vielleicht hat das auch mit den krampfhaften Bemühungen der US-Streitkräfte zu tun, sich als zivile Entwicklungshelfer aufzuspielen. Auf der Internetpräsenz von Africom werden einige Beispiele genannt, in denen US-Soldaten in jüngster Zeit der Bevölkerung eines Landes halfen. Was die Soldaten dort geleistet haben, fiele in anderen Zusammenhängen unter Nachbarschaftshilfe. Es als besondere Leistung herauszustreichen, weckt Erinnerungen an Zeiten, als europäische Kolonialherren afrikanische Häuptlinge mit einer Handvoll bunter Perlen für sich einzunehmen versuchten.

So erfährt man, daß Mitglieder der US-Küstenwache am 6. Juni geholfen haben, einer Grundschule in Mindelo auf den Kapverdischen Inseln einen neuen Anstrich zu verpassen. Rund 60 Soldaten brachten Werkzeuge von ihrem Schiff mit, die Schule gab die Farbe dazu, und in drei Stunden war die Sache erledigt. „Wir lieben es, der örtlichen Gemeinde zu helfen“, sagte Crew-Mitglied Petty Officer 1st Class Jason Parrish. „Das war eine großartige Methode für den Beginn unseres Einsatzes und um ein Lächeln auf die Gesichter der Mindelo-Kinder zu bringen.“

Am 19., 20. Mai haben US-Seeleute ein örtliches Reha-Zentrum in Victoria auf den Seychellen aufgemöbelt und mit einigen Gerätschaften neu ausgestattet. Auch hierbei zeigten sich die Marinesoldaten von ihrer Arbeit angetan. Petty Officer 3rd Class Carlos Castillo erklärte, daß er die Insel und ihre Bewohner gern habe. Sie bräuchten die Ausrüstung und es tue gut zu wissen, „daß wir etwas verändert haben“ [2].

US-amerikanische Seeleute, die in Dschibuti stationiert sind, tragen eine Mitverantwortung für die Bombardierung und Zerstörung somalischer Dörfer, wobei Dutzende Einheimische ihr Leben verloren. Dennoch scheinen die Soldaten überzeugt, daß sie ungeheuer bedeutende Aufbauarbeit geleistet haben – wenngleich nicht in Somalia, sondern im sich nördlich anschließenden Dschibuti. So hat die Balbala-Grundschule neue Lampen erhalten, Türrahmen wurden repariert und eine Wasserpumpe in Gang gesetzt. Außerdem erhielt die Grundschule Lehr- und Lernausrüstung von den US-Soldaten [3].

Das gegenwärtig noch in Stuttgart ansässige Africom bemüht sich mit solchen Episödchen, die für die Seeleute eine willkommene Abwechslung vom Bordleben sein dürften, um einen zivilen Anstrich. Dazu trägt auch die Behauptung bei, daß die US-Befehlszentrale für Afrika die einzige weltweit ist, an der Mitarbeiter vom Außenministerium beschäftigt sind. Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß die US-amerikanischen „Commands“ Bestandteil eines militärischen Netzwerks sind, das die USA über die ganze Welt gezogen haben. Nicht die Diplomatie, sondern das Militär hat darin das Sagen.

Wenn nun hier und da eine Grundschule angestrichen oder ein Rehabilitationszentrum auf Vordermann gebracht wird, dann kommt das bei der örtlichen Bevölkerung sicherlich gut an, aber solche Tätigkeiten können nicht über den grundlegend militärischen Charakter eines solchen US-Engagements in Afrika hinwegtäuschen. Um Grundschulen in Afrika zu sanieren, bedarf es keiner Soldaten, das könnten auch zivile Aufbauhelfer leisten. Aus diesem Grund wirken solche Beispiele tatsächlich wie die bunten Perlen, die der Weiße den Afrikaner früher einmal hingeworfen hat, um von seinen räuberischen Absichten und Taten abzulenken.

Anmerkungen
[1] http://www.africom.mil/getArticle.asp?art=1789
[2] http://www.africom.mil/getArticle.asp?art=1787
[3] http://www.africom.mil/getArticle.asp?art=1788

von - 18. Aug. 2008 - Kategorie: Krieg